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Kegelrobben auf Helgoland

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Sie betreten Neuland. Christiane
und Daniel Denkewitz
(beide 40) mit ihrer Tochter
Luisa (3) haben sich ganz bewusst
für Helgolandurlaub im Winter
entschieden, „weil dann weniger
Touristen hier sind“. Es ist eine
Premiere für die Familie aus Halle
in Sachsen-Anhalt. Gespannt
sind alle drei auf die Düne mit ihren
Robben.

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Das ist auch Andrea Pauses Wunschziel. Die 45-Jährige aus Recklinghausen verwirklicht den langjährigen Traum, „endlich selbst die Kegelrobben in der Natur zu erleben“. Begleitet wird sie von ihrer Freundin Edi Becker (53). Helgoland hat die Frauen sofort in den Bann gezogen.

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An diesem klirrend kalten, sogar selten windstillen Vormittag sind die Gäste tiefenentspannt voller Vorfreude auf die Düne. Familie Denkewitz, die Freundinnen aus dem Ruhrgebiet und 23 weitere meist in Funktionskleidung dick eingemummelte Winterurlauber haben die Naturführung gebucht.

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Acht Minuten dauert die Fahrt mit der Dünenfähre „Witte Kliff“ von der Landungsbrücke zum Dünenanleger. Bereits die Lautsprecherdurchsagen  an Bord appellieren an die Besucher, sich respektvoll und umsichtig zu verhalten, 30 Meter Sicherheitsabstand einzuhalten zu Kegelrobben und Seehunden sowie die Jungtiere in Ruhe zu lassen.

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Katharina Tilly nimmt sie am Anleger in Empfang und stimmt sie sogleich auf die Besonderheiten der Natur ein. Dünen-Rangerin prangt in großen gelben Buchstaben auf dem Rücken ihrer oliv-dunkelfarbenen Wetterjacke. Den Blondschopf hat sie unter einer grauen Strickmütze versteckt. Im Dienst der Gemeinde Helgoland ist die Landschaftsökologin für den Naturschutz auf der Düne zuständig. Ihre tägliche Kontrollrunde hat sie schon hinter sich.

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Ein Betreuungsvertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein, der Gemeinde Helgoland und dem Verein Jordsand regelt seit Herbst 2015, dass der Naturschutzverein und die Gemeinde mit der Dünen-Rangerin gemeinsam auf Augenhöhe für sämtliche Belange auf der Düne zuständig sind. Rund 40 ehrenamtliche „Jordsander“ sind rund ums Jahr vor Ort auf der Düne dafür im Einsatz. Bei ihnen sind ebenso Führungen möglich.

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Die Kegelrobben haben sich in den zurückliegenden 20 Jahren schnell und immer mehr zum Zugpferd entwickelt. 354 Geburten waren es in diesem Winter seit Anfang November. Rekord!

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Je höher der Wunsch nach Erlebnissen in freier Wildbahn ist, umso mehr schrumpft allerdings offenbar die Kenntnis über den Umgang mit und  in der Natur. Rangerin Katharina Tilly hat jedenfalls bemerkt: „Es gibt Menschen, die wissen nicht, was sie auf der Düne erwartet. Die fragen mich dann, wo es zu den Seelöwen geht - oder wollen sogar mit den Jungtieren kuscheln, weil die ja so niedlich aussehen. Dabei wird einfach verdrängt, dass es sich um Raubtiere handelt.“

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„Ich wünsche mir mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit
der Natur“, sagt sie der Gruppe und zeigt auf ein oben in den Dünen liegendes Jungtier, das sein weißes Babyfell nach zwei bis drei Wochen schon abgelegt hat. Das bedeutet, es
wird nicht mehr gesäugt, muss aber trotzdem in Ruhe gelassen werden. Es liegt noch etwa weitere zwei Wochen
am Strand, bis es erst instinktartig selbst zu schwimmen und zu jagen beginnt.

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Es könnte auf den ersten Blick durchaus als Kalksteinbrocken durchgehen, wären da nicht die großen Kulleraugen. Rund 40 Meter weiter mitten auf dem Südstrand beäugt ein Robbenbaby im noch Lanugo neugierig die Gruppe. Das weiße Babyhaar bietet auf dem Sand gute Tarnung.

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Auf der Düne seien die Tiere an den Menschen gewöhnt. Nennenswerte Zwischenfälle gab es bisher nicht. Das soll auch so bleiben – und daher ermahnt Katharina Tilly, 30 Meter Abstand zu halten. Manche Dünenbesucher rücken
nämlich den Raubtieren buchstäblich auf den Pelz – fast Nase an Nase. Davon sind selbst mit den besten Teleobjektiven
ausgestattete Fotografen nicht gefeit, die eigentlich aus großer Distanz sogar Mimik und Gestik in Großaufnahme geliefert bekommen.

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Nirgendwo sonst kommen sich Mensch und Tier auf so kleinem Raum derart nahe. Mit der kontinuierlich anwachsenden Anzahl von Robben und Gästen steigen aber auch Anforderungen an ein vernünftiges Wildtier-Management, das allen Nutzungsbereichen der Düne Rechnung trägt und Konflikte minimiert.

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Reibungspotenzial gibt es durchaus. Anders als viele Gäste und Urlauber, die von dem Naturschauspiel beeindruckt sind, blicken viele Helgoländer mit Sorge auf die steigende Anzahl an Kegelrobben. Sie haben die Befürchtung, dass die Menschen durch den Naturschutz zunehmend von der Düne verdrängt werden. Die Düne ist schließlich das Naherholungsziel der Gemeinde Helgoland.

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Sie ist aber auch FFH-Schutzgebiet. Das steht für Flora-Fauna- Habitat also für Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume. Helgoland und die Kegelrobben haben eine relativ junge gemeinsame Geschichte. Zwar gab es bereits 1974 den ersten Nachweis, aber erst 1996 auf der Düne die erste Geburt.

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Auf der nur 0,7 Quadratkilometer großen Düne gebe es nur begrenzt Platz. Dazu kommen die unterschiedlichen Nutzungsinteressen. Da ärgert es durchaus, wenn seitens einiger Insulaner kolportiert werde, sie würden die Düne sperren.

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Je mehr Geburten es gebe, umso enger und umso schwieriger werde es, die Abstände einzuhalten. Wenn am Nordstrand 150 Jungtiere sind und insgesamt 450 Kegelrobben bei Hochwasserlagen auf einem Strandstreifen von nur noch 20 oder 30 Metern liegen, ist Betreten nicht zu empfehlen. Schließlich sei ein ausgewachsenes Tier trotz seiner 300 Kilo bis zu 20 Stundenkilometer schnell.

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Um den Menschen aber dennoch einen guten Blick vermitteln zu können, gibt es neuerdings im Winter neben den Aussichtsplattformen einen Holzbohlenweg auf dem Dünenkamm, der für einen guten Rundumblick sorgt. Auch für den Sommer strebt das Quartett einen möglichst reibungslosen Ablauf zwischen Tourismus und Natur an.

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Kontraproduktiv seien dabei aber Urlauber, die es auf hautnahe Begegnungen mit den Raubtieren anlegen. So gibt es durchaus Leute, die sich im schwarzen Neopren treiben lassen, um mit Kegelrobben zu tollen und sich dann darüber beschweren, dass die Tiere an den Flossen knabbern. Noch gab es außer Schürfungen durch scharfe Krallen keine nennenswerten Zwischenfälle.

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Von den Herausforderungen, Problemen und Chancen des Robbenmanagements rund ums Jahr zurück zur Winterführung der Rangerin. Das Zusammenliegen am Flutsaum diene nicht der Geselligkeit, sondern vielmehr der Vorsicht: „Viele Augenpaare sehen schließlich mehr als eines.“ Um Grunde genommen seien die Tiere eher Einzelgänger. Sie leben nicht im Familienverband. Gegenwärtig sind nur rund 200 Kegelrobben auf der Düne, im März, wenn der Fellwechsel ansteht, werden es wieder um die 900 Tiere sein.

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Luise hat den besten Rundblick. Sie sitzt oben auf Papas Schultern. Als plötzlich...

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...eine Robbe vor ihr aus dem Wasser auftaucht und sie neugierig beäugt, juchzt die Kleine begeistert auf. Aber nicht nur die Dreijährige hat das allererste Mal in ihrem Leben diese imposanten Tiere in freier Wildbahn erlebt. Ihre Mama Christiane Denkewitz zeigt sich stark beeindruckt vom Naturparadies Düne, von der Führung und vor allen den Kegelrobben.

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Aus Fremden werden Freunde. Helgoland hat neue Fans gewonnen – und Katharina Tilly und ihre Kollegen werden sich weiterhin gemeinsam der Riesenherausforderung stellen,
Mensch und Tier gerecht zuwerden.

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