Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Pottwale in der Nordsee

Logo http://cnv-redaktion.pageflow.io/pottwale-in-der-nordsee

Von Katharina Jothe

.

Zum Anfang

Im Januar und Februar schwemmte das Meer die gewaltigen Leiber an. 29 junge Pottwale strandeten  in der südlichen Nordsee. Zwei Tiere wurden vor Helgoland entdeckt. Ein Walkadaver lag tagelang vor Cuxhaven.

Experten beschäftigten sich Mitte Mai auf einer Konferenz in Wilhelmshaven  mit den Ursachen des Dramas. Die Tiere machten den Eindruck, dass sie vor der Strandung gesund und wohlgenährt waren. Zwar fanden Veterinäre viel Müll in den Mägen der Wale, das sei aber nicht die Ursache für den Tod der Wale gewesen, hieß es.

Vermutlich hätten mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Möglicherweise seien die Meeressäuger ihrer Lieblingsspeise, den Tintenfischen, in die Nordsee gefolgt. Ungewöhnliche hohe Wassertemperaturen für die Jahreszeit im Nordatlantik, ein mögliches Resultat von Klimaveränderungen, könnten dafür verantwortlich sein. Die Tintenfische seien wahrscheinlich weiter in den Süden geschwommen, und die Wale seien ihnen gefolgt, so die These.

Jeden Winter machen sich Pottwale auf der Suche nach Nahrung auf den Weg aus der Arktis in den Süden. Die nun gestrandeten Tiere haben sich dabei wohl verirrt. Die Nordsee ist viel zu flach für die riesigen Säuger. Ihr Ortungssystem versagt und sie finden nicht zurück in den Ozean. Schließlich überhitzen sie, verhungern oder sie stranden und verenden an der Küste.

Foto: Rauch

Zum Anfang
Schließen

Einer der Kolosse wurde im Watt vor Cuxhaven entdeckt - am Sahlenburger Loch. Schnell war klar: Das Tier war nicht vor Cuxhaven verendet, sondern wurde bereits tot angetrieben. Es handelte  sich um einen Kadaver, der zuvor schon in der  Wesermündung auf dem Eversand gelegen hatte.

Die ursprüngliche Liegestelle des riesigen Tieres auf dem Eversand lag mitten im Nationalpark in einer Ruhezone, die von Menschen nicht betreten werden darf. Aus Angst, dass Trophäenjäger sich zu der Sandbank aufmachen könnten, entnahmen Tierärzte den Unterkiefer mit den wertvollen Zähnen des Wals. Weil die Flut dort normalerweise nicht höher als 80 Zentimeter aufläuft, sei die Gefahr, dass der Koloss aufschwimme gering, hatten die zuständigen Behörden mitgeteilt. Sie waren daher übereingekommen, den Kadaver nicht zu bergen, sondern an Ort und Stelle verwesen zu lassen.  Ein Sturm machte diesen Plan zunichte - das Tier trieb nach Cuxhaven ab.

Zum Anfang
Schließen

Das nächste Hochwasser ließ den toten Pottwal im Watt vor Sahlenburg erneut aufschwimmen. Zeitweise bestand nach Auskunft der Feuerwehr sogar die Gefahr, dass der Kadaver auf die Uferböschung treibt. Da eine Bergung dann nahezu unmöglich gewesen wäre, rückte die Feuerwehr aus. Mit zwei Booten gelang es, den toten Wal über rund drei Kilometer bis in den Bereich einer Rettungsbake  zu ziehen. Hier wurde der Kadaver mit einem Erdanker gesichert.

Am 3. Februar wurde der Wal im Auftrag der Stadt Cuxhaven geborgen. Feuerwehr, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und die  Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sorgten dafür, dass der Kadaver sicher in den Hafen geschleppt werden konnte, wo er per Kran aus dem Wasser auf einen Lkw gehievt wurde. Damit ging der 11,80 Meter lange, 18 Tonnen schwere Wal auf seine letzte Reise zur Tierkörperverwertung nach Rotenburg/Wümme.

Zum Anfang

Die an der Küste von Schleswig-Holstein im Watt entdeckten Pottwale wurden von Mitarbeitern des Instituts für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover obduziert und zerlegt. „Die Bergung der bis zu 20 Tonnen schweren Tiere aus dem Watt und von schwer zugänglichen Sandbänken ist keine Alltagsaufgabe. Mit unseren Schiffen und denen des Wasser- und Schifffahrtsamtes Tönning und unter Einsatz schweren Gerätes klappte das aber gut.  Tags und nachts waren die Schiffe unterwegs. Von morgens bis abends haben Tierärzte und Biologen vier Tage lang unter extremen Bedingungen – anders ist der Geruch nicht zu bezeichnen – die Tiere zerlegt und körperliche Schwerstarbeit geleistet. Insgesamt waren rund hundert Leute an der Bergung und Zerlegung beteiligt“, erklärte Dr. Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein.  (Foto: Brunckhorst)

Dr. Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung, war beeindruckt von dem großen Interesse der Öffentlichkeit: „Insgesamt haben sich mehr als 3000 Interessierte auf den Weg gemacht. Unsere Ranger erläuterten das Geschehen am Ort und die Biologie der Tiere. So konnten dieser traurigen Form des Whale Watching immerhin interessante und aktuelle Informationen an die Seite gestellt werden.“

Professorin Ursula Siebert, die Leiterin des ITAW, hatte für die Obduktion und Zerlegung der Tiere ein internationales Expertenteam zusammengestellt. Es wurden Proben genommen, die detailliert untersucht wurden und werden, um  Ursachen der Strandung zu erforschen.



Zum Anfang

Drei Skelette wurden für die Tierärztliche Hochschule Hannover, die Universität Rostock und das Meeresmuseum in Stralsund vorbereitet. Mehrere Universitäten, Museen und Schulen erhalten einzelne Knochen. Die übrigen Teile der Tiere wurden in der Tierkörperverwertung in Jagel entsorgt. Es gibt bereits einige Museen in Norddeutschland, die Pottwal-Skelette zeigen - zum Beispiel das Natureum in Balje (Foto)  oder das Waloseum in Norddeich.


Zum Anfang











Männliche Pottwale können bis zu 20 Meter Länge und 50 bis 60 Tonnen Gewicht erreichen. Die Weibchen sind mit zwölf Metern Länge deutlich kleiner. Die Tiere  wandern durch alle Weltmeere. Sie leben in den arktischen Regionen, in den Subtropen oder auch in den Tropen und der Antarktis. Besonders die Bullen legen große Strecken zurück.

Pottwale haben das ausgeprägteste Sozialverhalten aller großen Wale. Sie sind die besten  Taucher unter den Säugetieren. Männliche Tiere erreichen Tiefen von bis zu 3000 Metern und bleiben dabei über eine Stunde unter Wasser.  Ihre bevorzugte Nahrung sind Tintenfische - darunter auch die großen Tiefsee-Kalmare.



Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden