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Los geht's

Seehundbänke

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Von Katharina Jothe

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Sonnenschein, eine sanfte Brise und Sommerferien – zahlreiche Passagiere haben es sich bereits auf dem der Deck
der „Jan Cux“ gemütlich gemacht. „Der Countdown läuft noch ein paar Minuten, dann wollen wir uns auf die See raus sputen“, kündigt Kapitän Christian Detzkeit über das Bordmikrofon an. Die letzten Gäste kommen über die Gangway aufs Schiff. „So, wollen wir los?“, tönt es über Lautsprecher. „Ja“, antworten einige Fahrgäste – zuwenige findet Detzkeit: „Das ist mir zu mickrig. So fahre ich nicht los.“ Nach einer Kunstpause wiederholt er die Frage. Diesmal fällt die Antwort vielstimmig und deutlich lauter aus. Der Kapitän ist zufrieden. Es kann losgehen.

Die Jan Cux dampft mit ohrenbetäubendem Tuten aus dem Hafen. „Das Schiff macht tut, da geht´s ihm gut“, kommentiert Detzkeit. Die Worte gehen dem erfahrenen Kapitän nie aus. Er hat zu allem etwas zu sagen, zur Alten Liebe und zur Kugelbake, die die „Jan Cux“ gerade passiert, ebenso wie zu den entgegenkommenden Schiffen. „Ich rede abends schon im Schlaf“, scherzt Detzkeit.

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Schon legt er wieder los: „Fischer Fröhlich und sein Geselle sind auch schon bei der Arbeit.“ Fischer Fröhlich und seinen Gesellen scheint es allerdings häufiger auf der Nordsee zu geben, denn sie begegnen uns noch mit zwei weiteren Krabbenkuttern. 

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Auf einmal schaukelt es heftiger. Die „Jan Cux“ kreuzt die Heckwellen dicht hinter der „Bahia I“. Der Massengutfrachter, der auf dem Weg von Hamburg nach Norfolk in den USA ist, hinterlässt nachhaltigen Eindruck an Bord. „Wow, ist der riesig“, ruft ein Junge. Die See beruhigt sich wieder.

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Eine Sandbank kommt in Sicht, das Ziel der Fahrt. „Auf dem Gelbsand tummeln sich heute zwischen 100 und 150 Seehunde“, verspricht Detzkeit. Mit seinem geübten Auge hat er die Tiere bereits erspäht. Konzentriert manövriert der Kapitän sein Schiff zwischen den Sandbänken hindurch zur Nordseite des Gelbsands. Einige Passagiere werden langsam ungeduldig. Detzkeit reagiert sofort: „Keine Angst, ich habe mich nicht verfahren. Aber ihr müsst nicht denken, dass man, überall wo Wasser ist, auch mit dem Schiff fahren kann.“ Diese Tour sei nur bei Hochwasser möglich, erklärt er.„Sonst kann man hier wattlaufen.“ 


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Die Sandbank kommt näher. „Alle Kinder nach Steuerbord, die großen dahinter, damit die Kleinen nachher nicht sagen, ein Seehund sieht wie ein Rentnerhintern aus“, donnert Detzkeits Stimme aus dem Bordlautsprecher. Für die Kinder hat der Kapitän noch ein paar praktische Tipps auf Lager: „Wenn doch einer im Weg steht, einfach in den Hintern beißen. Das schmeckt nicht, hilft aber.“

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Plötzlich ist Stille. Die Motoren der „Jan Cux“ sind verstummt, um die zahlreichen Seehunde, die sich auf der Sandbank sonnen, nicht zu erschrecken. Die Passagiere drängeln sich an der Reeling und drücken sich Ferngläser und Kameras vors Gesicht. 

Dann flüchten die ersten Seehunde ins Wasser. Die „Jan Cux“ ist etwas dicht an die Sandbank geraten. Detzkeit dreht sofort ab. „Das war nicht meine Absicht, die Tiere zu erschrecken“, erklärt er zerknirscht. Um einen flotten Spruch ist der Kapitän auch jetzt nicht verlegen: „Lauter braune Badekappen im Wasser: Minentaucher bei der Arbeit.“

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Es geht auf den Rückweg. Detzkeit wird ernst. Das Schiff hat die Stelle erreicht, an der die Seebestattungen vorgenommen werden. Auch heute sind Angehörige an Bord. Der Kapitän schlägt die Schiffsglocke. Blumen werden ins Wasser geworfen. Die „Jan Cux“ fährt eine Ehrenrunde und umkreist die auf dem Wasser treibenden Rosen. Leise Musik klingt aus den Lautsprechern.

Dafür kommt Stammgast Emil, mittlerweile bekannt aus Funk und Fernsehen, seit mehr als zehn Jahren jeden Tag an Bord. Nachdem die Crew der „Jan Cux“ die Seebestattung für seine Frau übernahm, hat der 91-jährige auf dem Schiff eine eine neue Heimat gefunden. „Früher habe ich geraucht. Jetzt kaufe ich täglich Blumen“, sagt er. Mittlerweile hat die „Jan Cux“ den Hafen erreicht – Feierabend für heute. Die Gäste gehen von Bord, auch Emil. Morgen wird er wieder kommen mit einem neuen Strauß Rosen für seine Frau.

Fotos und Videos: Jothe/Reese-Winne

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