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Los geht's

Zirkus Charles Knie

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Tierdressur, Schlangenmenschen, Clowns und Trapez-Künstler – all das erlebten die Zuschauer bei der Premiere des Zirkus Charles Knie in Cuxhaven. Aus dem rot-weißen Zelt auf dem Döser Messeplatz, dröhnte die Musik des achtköpfigen Live-Orchesters inklusive Sängerin. Innen drinnen beklatschte das Premierenpublikum die verschiedenen Darbietungen.
Mit dem Programm „Euphorie“ kommt der klassische Zirkus modern daher, geht neue Wege in der Inszenierung. Mit dabei internationale Artisten wie Trapez-Gruppe "Flying Wulber",das Rollschuh-Duo "Medini" oder die Handstandartisten "Messoudi". Außerdem mit dabei: große und kleine Tiere sowie talentierte Jongleure. Neben Clown Cesar Dias sorgen auch die beiden Seelöwen "Flavio und Flappi" für Lacher – nicht nur bei den Kindern.

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Was Marek Jama den Kamelen zuruft, verstehe ich zwar nicht wirklich – aber darum geht es ja auch nicht – Hauptsache, die Kamele wissen, was er meint und hören aufs Wort. Von der Zuschauertribüne aus beeindruckt es mich schon sehr, was die Kamele, Pferde, Ponys und Co. so alles präsentieren. Wie es sich wohl anfühlt, in der Manege zu stehen und die Tiere dazu zu bringen, das zu tun, was ich will? Einfach ist es jedenfalls nicht und eine Menge Arbeit steckt dahinter.
Cheftierlehrer Marek wartet in der Manege auf mich. Er kommt aus Polen, ist dort in die Zirkusschule gegangen und gehörte zuerst zu den Artisten. Doch schon damals faszinierten ihn die Tiere. Von anderen Dompteuren erlernte er deshalb, wie das Training und die Dressur funktionieren. „Seitdem arbeite ich mit Tieren – am liebsten mit Tigern. Die sind so intelligent, lernfähig und lassen sich während der Show nicht ablenken“, erklärt der 40-Jährige. Mit Tigern beschäftigt er sich beim Zirkus Knie nicht, dafür aber unter anderem mit fünf Kamelen, bei denen ich heute mein Kommando-Glück versuchen darf. Die vier Kamel-Damen und ein Herr verstehen drei Sprachen: deutsch, englisch und französisch. „Ruf ihnen mal Trab zu, vielleicht hören sie ja auf dich“, schlägt Marek vor. Noch laufen die Kamele gemütlich um uns herum. „Trab!“, rufe ich – nichts passiert, keine Reaktion, keine Veränderung der Geschwindigkeit, noch nicht einmal einen Blick werfen sie mir zu. Marek legt wieder los, ruft Kommandos und Namen durcheinander, ich komme nicht mehr mit, die Tiere hingegen schon. Sie scheinen ihrem Ruf – manche benutzen das Wort Kamel sogar als Schimpfwort – nicht nachzukommen. „Sie lernen schneller als Pferde“, erklärt mir Marek und ruft die Tiere zu sich.



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„Down“, fordert er sie auf. Alle fünf Kamele knien sich runter. „Gib ihnen ein paar Leckerchen, aber pass auf deine Hand auf.“ Der zweite Teil des Satzes verunsichert mich. In meiner Hand halte ich die Leckerchen. Fünf neugierige Kamelköpfe kommen mir immer näher. Obwohl sie knien, sind sie genauso groß wie ich. Ich trete einen Schritt zurück, ihre Hälse werden immer länger, stehen jetzt aber nicht mehr über mir. Schwups, schon ist das erste Leckerchen verschwunden. Ganz sanft nimmt das Kamel es mit seinem pelzigen Maul. War gar nicht so schlimm wie erwartet. Deshalb werde ich mutiger, traue mich, mich an einen Kamelhöcker zu lehnen. Draufsetzen werde ich mich aber nicht. Für heute reicht es, schließlich haben die Tiere heute noch zwei Vorführungen vor sich. Auf Marek wartet im Winter ein großer Auftritt. Er wurde von Prinzessin Stéphanie zum berühmtesten Zirkusfestival der Welt nach Monte-Carlo eingeladen. Ein aufregender Termin, so wie der Zirkusbesuch für mich.

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Worauf habe ich mich da bloß eingelassen. Eine dünne Strickleiter baumelt aus der Zirkuskuppel herunter. Da soll ich hoch? Trapezkünstler Mitch – man ist schnell beim Du in der Zirkusfamilie – erklärt mir kurz, was ich machen und was ich lieber bleiben lassen soll. Er hüpft ein paar Mal auf dem Netz herum, das zu unserer Sicherheit über der Manege gespannt ist, bevor er geschickt wie ein Äffchen weiter nach oben klettert. Immerhin, das Netz scheint zu halten. Das ist schon mal beruhigend. Beim Hochklettern hilft mir das allerdings nicht. Soll ich nicht doch kneifen? Nein, denn die Kollegin hält die Kamera drauf.
Also los, Schuhe aus, Augen zu und durch. Ich greife kurz in das Sägemehl der Manege, um meine schwitzigen Hände zu trocknen. Patrizio, ebenfalls erfahrener Trapezkünstler, assistiert und hält die Leiter unten stabil, während ich mich Schritt für Schritt nach oben arbeite. Es wackelt trotzdem noch ganz schön. Jetzt bloß nicht nach unten gucken. „Die Füße benutzen“, rät Mitch aus luftiger Höhe. „Die haben mehr Kraft als die Beine.“ Die Kraft ist gerade mein geringstes Problem, denke ich insgeheim.
Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich auf der „Brücke“ an. Brücke ist allerdings ein gewagter Ausdruck für dieses leicht durchsichtige Brett, dass in ungefähr zehn Metern Höhe unter der Zeltkuppel schwebt. Ich greife an das Gestänge und muss erst mal durchatmen. Ich riskiere einen ersten vorsichtigen Blick nach unten und gucke lieber schnell wieder auf die Wand des Zirkuszeltes. Patrizio ist inzwischen ebenfalls oben angekommen. Mitch fordert mich auf, mit ihm die Position zu tauschen. Widerwillig lasse ich mit einer Hand los und winde mich um das Gestänge auf die andere Seite. Der Artist greift nach dem Trapez, schwingt locker und leicht ein paar Mal hin und her, bevor er sich fallen lässt. Elegant landet er auf dem Rücken im Netz. Sieht eigentlich ganz einfach aus. Schnell ist Mitch wieder bei uns in luftiger Höhe angekommen. Jetzt bin ich an der Reihe. Auf geht´s, denn die Strickleiter klettere ich bestimmt nicht wieder runter.
In einem Beutel auf der Brücke ist Magnesium. Ich greife zu und reibe mir das weiße Zeug auf die Handinnenflächen. Es staubt. Endlich ein vertrautes Gefühl, das kenne ich noch vom Turnen am Reck und am Barren. 

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Jetzt wird es ernst. Um an das Trapez heranzukommen, muss ich mit einer Hand loslassen und mich weit nach vorne zu lehnen. Mitch und Patrizio halten mich an der Hüfte fest. Wir kennen uns erst seit zehn Minuten, doch ich vertraue den beiden. Mir bleibt auch nichts anderes übrig. Ich löse die zweite Hand vom Gestänge, und greife an das Trapez. Die beiden lassen los – ich fliege.
Ein irres Gefühl. Am Umkehrpunkt angekommen, stehe ich für den Bruchteil einer Sekunde in der Luft – pures Adrenalin. Hin und her – langsam gewöhne ich mich an das Gefühl des Schwebens. „Alles okay?“, ruft Mitch von der Brücke. „Okay“, gebe ich zurück, doch eine Herausforderung steht mir noch bevor. „Beim nächsten Schwung loslassen“, kommandiert mein Lehrmeister. Schön lang machen, erinnere ich mich an seine Anweisungen. Dann kommt das Kommando: „Ab“. Ich schließe die Augen und öffne die Hände – freier Fall. Mein Körper kramt lang zurückliegende Erinnerungen vom Großtrampolin hervor und streckt sich scheinbar wie von selbst. Weich fängt mich das Netz auf. Ich bleibe kurz liegen und atme ein weiteres Mal kräftig durch.
„Noch einmal?“, fragt Mitch von oben. Meine Beine wackeln zwar etwas, aber ich mache mich erneut auf den Weg nach oben. Während ich zum dritten Mal an diesem Tag ordentlich durchpusten muss, erklärt Mitch feierlich: „Wir machen das nicht wegen des Geldes, sondern aus Leidenschaft.“ Das kann ich verstehen.

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Der Vorhang im Zirkuszelt geht auf. Artisten, Tiere und Tänzerinnen treten perfekt gestylt ins Rampenlicht, empfangen vom Applaus der Zuschauer. Doch was passiert eigentlich hinter dem Vorhang? Wie wärmen sich die Artisten auf? Was machen die Tiere außerhalb der Vorstellungen?

Unsere Redaktion durfte hinter die Kulissen der Premierenvorstellung schauen.

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