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Abheben ins Abenteuer

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Von Felix Weiper
Produktion: Josip Pejic

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Thomas Lötsch schaut sich das Cuxland am liebsten von oben an. Unter ihm der Küstensaum mit Blick auf Neuwerk. Schiffe, die weiße Spuren im Wasser hinterlassen. Dörfer und Kirchtürme, ein Flickenteppich aus Weiden, Äckern und Wald, rotierende Windanlagen, sich dahinschlängelnde Straßen und Wasserläufe. Und am Horizont die Sonne über der Nordsee. So mag der Flieger die Vogelperspektive am liebsten.

Wer sich die Fotos anschaut, die er aus seinem Pilotensitz heraus schießt, der kann nachvollziehen, warum Lötsch immer wieder abhebt. Fliegen kann süchtig machen. Zumal dann, wenn man wie Lötsch zu den Ursprüngen der Fliegerei zurückkehrt – und sich einen Doppeldecker anschafft.

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sagt Lötsch und zeigt auf den beigefarbenen Vogel mit den zwei übereinander angeordneten Tragflächen. Er hat den Doppeldecker aus einer Halle des Nordholzer Flughafens gerollt. Ein Flugzeug aus den Pioniertagen der Fliegerei. Es trägt an seinen Flanken ein schwarzes Kreuz – das Abzeichen der Luftwaffe. Lötsch entdeckte das Flugzeug im Internet. Dort wurde es zum Verkauf angeboten. Es handelt sich um den Nachbau eines Fliegers, der in den 1930er-Jahren als Schulungsflugzeug für Luftwaffenpiloten sowie als Aufklärer diente.

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Ein Privatmann aus der Nähe von Regensburg hatte den Doppeldecker nachgebaut. Vorne drin sitzt ein 60-PS-Automotor von Nissan. Die Kühlung stammt von Volkswagen. Teile der Instrumententafel stammen aus einer russischen Mig. Der Pilot sitzt beengt in dem Flieger. Das Cockpit ist nach oben offen. Cabrio-Feeling in der Luft: Bei solch einem Flugzeug muss das sein. Lötsch kann einen Fluggast in seinem Doppeldecker mitnehmen, der vor ihm seinen Platz einnimmt.

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Luftfahrtbegeistert sei er schon als Kind gewesen, erzählt Lötsch. Mit dem Bau von Flugzeugmodellen nahm es seinen Anfang. Später als Student in Sachsen machte Lötsch seinen Flugschein. Um den zu finanzieren, packte er auf dem Flugfeld und im Verein tatkräftig mit an. Als Lötsch 2009 ins Cuxland kam, um den Posten als Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung im Kreis Cuxhaven anzutreten, war klar, dass er sich einer Sportfluggruppe in der Region anschließen würde.

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Und inzwischen ist er neben seinem Hauptberuf auch noch Geschäftsführer des nichtmilitärischen Teils des Flughafens Cuxhaven/Nordholz, zu dessen Gesellschaftern der Landkreis zählt. Hier ist es das Anliegen von Lötsch, die Weichen für eine erfolgreiche Entwicklung des Flughafens zu stellen und den Flugbetrieb auszubauen.

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Alles, was mit Fliegen zu tun hat, ist seine Leidenschaft. Seine Karriere als Hobby-Pilot erreicht mit dem Doppeldecker ihren vorläufigen Höhepunkt . „Das Fluggefühl im Doppeldecker ist einmalig“, sagt Lötsch. Neben seinem Pilotensitz baumelt ein rotbraunes Stofftier. „Das ist der Fuchs aus dem Buch ,Der kleine Prinz’ von Antoine de Saint-Exupéry“, erläutert Lötsch. Sein Maskottchen.

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Saint-Exupéry war bekanntlich ein Schriftsteller, der nichts mehr liebte als die Fliegerei. In seinen Büchern schildert der Franzose das ausgiebig. Und zu seiner Zeit – das Fliegen war keine Selbstverständlichkeit, sondern ein großes und mitunter auch gefährliches Abenteuer – war der Autor mit Doppeldeckern unterwegs. Wenn Lötsch heute in die Luft geht, dann fühlt er sich ein wenig wie der Abenteurer Saint-Exupéry.

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Lötsch denkt darüber nach, den Doppeldecker für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. „Ich möchte Menschen die Faszination des Fliegens näherbringen“, sagt er. „Auch denjenigen, die sonst keine Möglichkeit dazu haben.“ Bevor Thomas Lötsch seine Maschine von Regensburg in zwei Etappen nach Nordholz flog, musste er zunächst fleißig üben. „Die Flugeigenschaften sind zwar sehr gut. Starten und Landen sind mit diesem Flugzeug aber eine große Herausforderung“, erklärt der Pilot.

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Mehrere Höhenzüge musste er überfliegen. Obwohl er dick eingepackt war, wurde ihm im offenen Cockpit richtig kalt. Und so recht hatte er sich noch nicht auf sein neu erworbenes Flugzeug eingestellt. Einmal sei ein Polizeihelikopter neben ihm geflogen, erzählt Lötsch. „Die wollten sich den seltenen Vogel einmal näher ansehen.“

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Aufmerksamkeit ist dem Doppeldecker-Piloten gewiss. Inzwischen hat Thomas Lötsch schon so manche Flugstunde hinter sich gebracht und den Nostalgie-Flieger ordentlich gefordert.

Und was war der bislang schönste Moment? Thomas Lötsch muss nicht lange überlegen, um zu antworten: „Das war, als ich bei der Überführungstour am Horizont endlich die Nordsee erblickte.“

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