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Los geht's

Es geht um Menschenleben

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Von Jara Tiedemann und Josip Pejic

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in Nordholz muss ich meinen Blick immer wieder von der Straße abwenden. Ein Hubschrauber zieht am Himmel seine Kreise. Spontan wird mir übel bei dem Gedanken, dass ich in weniger als zwei Stunden auch da oben sein werde.

Auf dem Programm steht ein Übungsflug mit dem "Sea King", dem SAR-Hubschrauber der 1. Staffel des Marinefliegerge-schwaders 5 (MFG 5). Eine mächtige Maschine von 22 Metern Länge, die den Seeraum überwacht, Mensch und Material transportiert, bei Naturkatastrophen hilft und Marineschiffe versorgt.

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Vor allem der SAR-Dienst über der Nord- und Ostsee ist seit 60 Jahren der Kernauftrag der Staffel. SAR, das steht für Search and Rescue, also Suchen und Retten. Retten von Schwerverletzten und Menschen, die auf See in Not geraten sind – oder: von lebensmüden Redakteurinnen, die sich freiwillig auf hoher See abseilen lassen wollen.

Mein Pilot Korvettenkapitän Marc-Philipp wartet schon auf mich. Gemeinsam fahren wir über das riesige Gelände, das auf mich wie eine Filmkulisse wirkt. Menschen in Uniformen, überall Schranken. Eine völlig andere Welt eben. Doch ich bin hier, um sie kennenzulernen.

Ich erhalte für meinen Hubschrauberflug eine komplette Ausrüstung inklusive Helm und Schwimmweste.

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Mal eben zu Fuß von A nach B gehen, ist hier nicht. „Das war früher anders, als die 1. Staffel des MFG 5 noch in Kiel beheimatet war“, erzählt mir der 36-Jährige. „Man war dichter beieinander und die Wege waren sehr viel kürzer.“

Im Jahr 2012 wurde das MFG 5 im Rahmen einer Neuausrichtung der Bundeswehr von Kiel nach Nordholz verlegt. Dadurch hat sich einiges verändert. „Vor allem, dass wir durch die geografische Lage von Nordholz viel mehr über Land fliegen müssen.“ Heißt: Es dauert schlichtweg länger, bis die Soldaten dort sind, wo sie gebraucht werden. Auf hoher See.

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Wir sind da und ich lerne die restliche Crew kennen, die gleich mit mir abheben wird. Zu Marc-Philipp gesellt sich der einsatzerfahrene Pilot Sönke, Luftoperationsoffizier (LOPO) Christian und Bordmechaniker (BM) Sebastian. Volle Namen dürfen nicht genannt werden. Safety first.

Das ist auch das Motto bei Einsätzen und Übungsflügen. Die Zusammensetzung der vierköpfigen Crew variiert dabei stets. „Das sichert uns eine hohe Flexibilität“, erklärt mir Marc-Philipp. Konzentriert und fokussiert besprechen die Soldaten den heutigen Flug. Ich höre zu. Zu mehr bin ich ohnehin nicht mehr in der Lage. Cool bleiben...

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Kurz darauf geht es auch schon los. Mit Helm und Rettungsweste sitze ich in der Maschine. Wir heben ab und ich kann nicht anders, als zu grinsen. Meine Kamera ist im Dauereinsatz. Dabei ist das hier kein Spaß. Es ist einer von vielen vorgeschriebenen Übungsflügen, die die Piloten regelmäßig absolvieren müssen, um Menschen in Not, meistens Zivilisten, zu retten.

„Der SAR-Dienst lebt vom Fliegen", erklärt Korvettenkapitän Marc-Philipp. "Jeder Einsatz und jeder Flug ist neu. Wir müssen bei schlechtestem Wetter navigieren können und in jeder Situation in der Lage sein, eine Lösung zu finden.“

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„Unsere Staffel zeichnet eine Can-Do-Mentalität aus", erzählt Staffelkapitän Steffen Hofmann. "Egal wie schwierig ein Einsatz scheint, bei uns gibt es niemanden, der sagt, wir schaffen das nicht. Im Gegenteil. Wir suchen und finden Lösungen, wie man es anders machen könnte. Dafür ist es wichtig, seine Local Area, also sein Einsatzgebiet zu kennen. Tagsüber, aber vor allem nachts. Das üben wir.“

Eine neue Herausforderung sind die Windparks. „Das sind Hindernisse, die vor allem nachts und bei schlechter Sicht gefährlich für uns werden können“, sagt der Pilot. Deswegen sind sie mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet. Ein Luftoperationsoffizier, der immer mit an Bord ist, checkt außerdem das Radar und ist gerade nachts das zweite Auge der Piloten. „Wir werden dann gerufen, wenn die zivilen Rettungsflieger an ihre Grenzen kommen.“

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der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) bei Büsum. Die Crew will verschiedene Winsching-Verfahren üben. Dabei lassen sich Crewmitglieder aus dem Hubschrauber auf das Seenotrettungsschiff abseilen. Unter anderem mit mir.

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Bordmechaniker Sebastian reißt die Tür auf und macht den Astronautenkorb klar, mit dem er mich gleich aus zehn Metern Höhe auf das Schiff abwinschen wird. Augen zu und durch, denke ich und krabbele in das luftige Netz.

Keine Minute später hänge ich auch schon über der Nordsee. Die Kraft des Hauptrotors sorgt dafür, dass ich mich mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit um die eigene Achse drehe – und nach kurzer Zeit nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.

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Unten angekommen, nimmt mich die Crew der "Theodor Storm" in Empfang. 

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Ich schaue zu, wie Sebastian jetzt ein paar Mal das Winschen mit einer Trage übt. Kann eine verletzte Person nur im Liegen transportiert werden, ist das ihre einzige Chance. 

Die "Sea King" misst 22 Meter. Im Ernstfall muss die Maschine
perfekt positioniert werden, um Menschen auf See zu retten.

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Dann geht es für mich auch schon wieder nach oben. Ich fühle mich sicher. Nicht erst jetzt, sondern von Anfang an. Denn: Ich bin umgeben von Profis. Soldaten, die nichts dem Zufall überlassen und mit viel Leidenschaft für ihren Beruf dabei sind. Sie sind ein Team, das spürt man. Soldaten, die nichts dem Zufall überlassen und mit viel Leidenschaft für ihren Beruf dabei sind. Sie sind ein Team, das spürt man.

Marc-Philipp bringt es auf den Punkt: "Der Zusammenhalt ist das, was die Staffel auszeichnet.“ Was er besonders an seinem Beruf liebt: „Unseren Auftrag. Es geht um Menschenleben. Vor allem in den Momenten, in denen aus Übung Ernstfall wird, wird einem bewusst, dass es wichtig ist, dass wir da sind.“


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...haben "Sea King"-Hubschrauber von 1967 bis 2017 geflogen.

Dabei wurden 12 407 Menschen gerettet.

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